Asian Resources on the WWW



Die "Greater Mekong Subregion" - eine Region zwischen hemmungslosem Raubbau und nachhaltiger Entwicklung (I)
Ressourcen im Internet für Studien der wirtschaftlichen,
politischen, sozialen und ökologischen Entwicklung einer Region im Wandel

Jörg Wischermann/Renate Förster/Ingvar Sander

Vorbemerkung: Mit diesem auf drei Folgen konzipierten Artikel betreten wir Neuland. Erstmals geht es uns nicht um die Ermittlung und Bewertung von länderbezogenen Internet-Ressourcen oder allgemein um Ressourcen für Südostasien-Studien, sondern um die Darstellung und Bewertung von Internet-basierten Informationsquellen, die sich mit einem für die gesamte Region Südostasien wichtigen Thema befassen. Dabei widmen wir uns den politischen, sozialen und ökologischen Problemen und möglichen inner- wie interstaatlichen Konflikten, die sich aus der Nutzung einer knappen Ressource ergeben können – dem Wasser des Mekongs in der von diesem gebildeten Subregion.

Der Mekong ist mit 4.842 km einer der längsten Flüsse der Welt und der längste Fluss Südostasiens. Er entspringt im Tanggula-Gebirge Tibets auf einer Höhe von 4.975 m. In China heißt der Mekong Lancan-Fluss. Über 1.000 km fließt der Lancan dann durch tief eingeschnittene Schluchten der südchinesischen Provinz Yunnan hinab nach Myanmar und Thailand. Zwischen diesen beiden Ländern sowie zwischen Thailand und Laos bildet der Fluss über weite Strecken auch die Staatsgrenze. In der unteren Hälfte ist er überwiegend ein zumeist behäbig dahinfließender breiter Strom mit relativ wenigen Stromschnellen und Gefällen. Auf seinem Weg durch Kambodscha bilden der Mekong, der Tonle-Sap-Fluss und der Tonle-Sap-See während der Regenzeit eine riesige Seen- und Flusslandschaft. Die Wassermengen des Mekongs erzwingen während dieser Zeit eine Umkehr der Strömungsrichtung des Tonle Sap. Der Fluss gilt als die Lebensader Kambodschas. In Südvietnam verzweigt er sich in mehrere Mündungsarme, die das Mekong-Delta bilden. Dieses ist mit einer Jahresproduktion von mehr als 16 Mio. Tonnen Reis die Reiskammer Vietnams. Wegen seiner Verzweigungen wird der Strom dort der "9-schwänzige Drache" genannt. Das Mekong-Delta ist ein ausgedehntes kompliziertes Ökosystem, das grob gesprochen von dem Gleichgewicht zwischen einströmendem Wasser aus dem Südchinesischen Meer und den Fluten des Mekongs abhängt. Hier an der Küste Südvietnams mündet der Mekong schließlich ins Südchinesische Meer.

Das Internet hält ein reichhaltiges Informationsangebot bereit zu den allgemeinen wirtschaftlichen, politischen, sozialen, ökologischen und geografischen Bedingungen und zu den mit der Nutzung des Wassers des Mekongs in Verbindung stehenden Entwicklungen im "Mekong Basin" sowie in der vom Mekong gebildeten "Greater Mekong Subregion" (GMS). Zu dieser werden Thailand, Myanmar, Laos, Kambodscha, Vietnam und die chinesische Provinz Yunnan gerechnet. Zu den wichtigsten Akteuren, die sich mit solchen Problemen in dieser Region befassen bzw. in solche involviert sind, zählen neben den jeweiligen Länderregierungen die Asian Development Bank (ADB) und die Mekong River Commission (MRC), universitäre Forschungsinstitute und andere think tanks, entwicklungsbezogene Organisationen mit ihren Projekten wie die Gesellschaft für Technische Zusammenar­beit (GTZ), lokale wie internationale Nichtregierungs-Organisationen (NGOs) und natürlich nationale und multinationale Wirtschafts- und Finanzunternehmen.

Wir werden das Informationsangebot der unterschiedlichen Akteure im Laufe des Artikels im Einzelnen vorstellen und bewerten. In dieser ersten Folge weisen wir zunächst auf einige allgemeine Quellen hin, die den Informationssuchenden vertraut machen können mit Grundzügen der Geografie, Ökologie, Ökonomie und Politik des "Mekong Basin" und der "Greater Mekong Subregion". Anschließend präsentieren und bewerten wir den Internet-Auftritt derjenigen Akteure, die für eine umfassende Erschließung und sozioökonomische Entwicklung der Region eintreten. Hierbei stehen die Angebote der Asian Development Bank und der Mekong River Commission im Mittelpunkt unseres Interesses.

Auf die mediale Darstellung der Kritiker einer sozio-ökonomischen Entwicklung, wie sie von den meisten Länderregierungen und der Asian Development Bank verfochten wird, gehen wir im zweiten Teil unseres Artikels ein.

In einer abschließenden dritten Folge sollen solche Internet-basierten Quellen vorgestellt und bewertet werden, welche die Diskussion über beispielsweise die Prob­lematik des Baus von Staudämmen ausweiten hin zu einer generellen Diskussion über die Bedeutung der Nutzung und des Managements natürlicher Ressourcen für die Entstehung beziehungsweise Vermeidung von inner- und interstaatlichen Konflikten. Als Abschluss werden Quellen für die kontinuierliche Information über die Entwicklung der Mekongregion und die vorgestellten Probleme besprochen.

Einen guten allgemeinen Überblick über die geografischen, ökologischen, politischen und sozialen Bedingungen des "Mekong Basin" und der "Greater Mekong Subregion" sowie eine gute Einführung in die von uns gewählte Problemstellung bieten die Länderprofile auf der "Oxfam Mekong Initiative Website". Diese Profile sind leider nur umständlich zugänglich: Von http://203.144.77.39/text_f/index.html aus muss man unter "Country Information" auswählen. Unter "Mekong Profile" (http://203.144.77.39/text/mekong_profile.html) bietet die Site von "Oxfam" solide recherchierte, überblickshafte Informationen zu Problembereichen wie "Forestry and Deforestation", "Fisheries" und "Land Tenure" an. In diesen fachspezifischen Informationen wird auch der Zusammenhang mit der bislang in der Region verfolgten Entwicklungspolitik hergestellt. Eine willkommene Ergänzung mag der von der Mekong River Commission gebotene Verweis zu "Special Places" sein. Dort wer­den in knapper Form instruktive Hinweise auf die besondere Bedeutung von so genann­ten "deep pools" angeboten (http://www.mrcmekong.org/pdf/4.pdf).[1] Ebenso nütz­lich ist in diesem Zusammenhang die von der Mekong River Commission zum Download bereitgestellte neuere Studie zum inhaltlich verwandten Thema: "Local Knowledge in the Study of River Fish Biology: Experiences from the Mekong" (http://www.mrcmekong.org/pdf/local_knowledge.pdf).

Umfassender und weiter ausgreifend als die genannten Quellen sind solche Informationen, die das "Mekong Resource Center" bereitstellt: Es bietet unter anderem ein Arbeitspapier des für diese Region maßgeblichen Geografen Philip Hirsch und dessen Kollegen Gerard Cheong zum Download an. In einer überaus lesbaren und anschaulichen Art breiten die Autoren Erkenntnisse zu den unterschiedlichen natür­lichen Ressourcen des gesamten "Mekong Basin" und zu den historischen Erfahrun­gen und aktuellen Perspektiven des Ressourcen-Managements aus (http://www.usyd.edu.au/su/geography/hirsch/). Über das komplizierte ökologische System des Mekong-Deltas informiert die Nr. 4 eines ebenfalls vom "Mekong Resource Center" herausgegebenen "Working Papers" (http://www.mekong.es. usyd.edu.au/publications/Working_Papers/wp4.pdf).

Dafür, dass man heute in Kreisen der Entwicklungsplaner und -praktiker seit längerem nicht mehr vom "Mekong Basin", also dem direkten Einzugsgebiet des Flusses, sondern von der "Greater Mekong Subregion" spricht, gibt es gute Gründe. Denn diese Region hat ein ungewöhnliches Entwicklungspotenzial. In ihr leben mehr als 245 Mio. Menschen und sie ist reich an natürlichen Ressourcen: Es gibt gute Erde für den Landbau, riesige Waldgebiete, zusätzlich zum Flusswasser viel Regen, der sich annähernd gleichmäßig über die gesamt Region verteilt. Auch ist die Region reich an Bodenschätzen wie Zinn, Kupfer, Kohle, ja sogar Öl ist gefunden worden. Im Hinblick auf die Biodiversität wird sie nur noch vom Amazonasgebiet übertroffen. Im weiteren Einzugsgebiet des Mekongs gibt es vier weitere Fluss-Systeme, welche die reichen Wasservorräte und Fischvorkommen des Mekongs ergänzen. Rund 15 Kubikmeter Wasser pro Sekunde fließen aus dem "Basin" in diesen Strom, aus dem jährlich etwa 1,8 Mio. Tonnen Fisch im Wert von rund 1,8 Mrd. US$ gefangen werden. Allein aus dem Tonle Sap in Kambodscha werden jährlich rund 400.000 Tonnen Fisch gezogen. Der Fluss selber ist eine tägliche Nahrungsquelle für Millionen von Menschen und eine scheinbar unerschöpfliche Quelle für Hydro­energie.

Diese natürlichen Reichtümer haben nicht nur die Phantasie von Entwicklungsexperten, sondern auch die der lokalen und regionalen Politiker beflügelt. Zusammen mit Bankern und Unternehmern aus aller Herren Länder wollen sie diese Region von einer ehedem in weiten Teilen der Subsistenzwirtschaft verhafteten zu einer ungleich diversifizierteren, marktbasierten Wirtschaftszone entwickeln. Inzwi­schen gibt es viele Pläne und praktische Anstrengungen, den grenzüberschreiten­den Handel und Verkehr zu intensivieren, die Mobilität von Arbeitskräften zu fördern und die Region zu einem touristischen Anziehungspunkt auszubauen. Das Wasser des Mekongs und seiner Zuflüsse spielt dabei eine zentrale Rolle als Produktivkraft. Vor allem die Asian Development Bank ermuntert zu großen, kapitalintensiven Infrastrukturvorhaben, an denen der private Sektor teilnehmen soll.

In allgemeinen Zügen charakterisiert die Asian Development Bank (http://www.adb.org) das 1992 aufgelegte Programm zur Entwicklung der "Greater Mekong Subregion/GMS" wie folgt (http://www.adb.org/GMS/gmsprog10.asp):

The GMS Program started in 1992. Its goal is to promote economic and social development by strengthening economic linkages. More specifically, the Program seeks to realize and enhance development opportunities; encourage trade and investment among GMS countries; resolve or mitigate cross-border problems; meet common resource and policy needs. [] The GMS Program cov­ers both "hard" and "soft" aspects of cooperation. The sectors covered under the Program are energy, environment and natural resources management, human resource development, investment, tourism, telecommunications, transport, trade. The GMS countries have identified and prioritized almost 100 projects in these eight sectors.

Der Karteireiter "Regions and Countries" führt zu den länder- und regionenbezogenen Seiten der ADB-site. Unter "Regions" (weiter unten auf der Seite) findet sich auch die GMS. Vorgestellt wird dort u.a. eine neue Publikation, die sich mit der strategischen Ausrichtung der Regionalentwicklung über die nächsten 10 Jahre be­schäftigt, aber auch die ersten 10 Jahre des GMS-Programms der Asian Development Bank beleuchtet und somit einen guten Einstieg in dieses Thema bietet (http://www.adb.org/Documents/Books/Building_Success/default.asp). Die Publikation kann als pdf-Datei heruntergeladen werden. Im Rückblick auf die letzte Dekade wird unterstrichen, dass insbesondere die Interessen vor Ort zu wenig Berücksichti­gung bei der Planung neuer Entwicklungsmaßnahmen gefunden haben. Dieses Manko zu beseitigen wird demzufolge als größte Herausforderung für die nächsten 10 Jahre angesehen. Vorschläge, wie eine breitere Partizipation in der Entschei­dungsfindung erreicht werden soll, finden sich jedoch in dem Dokument nicht.

Hat man "About GMS" auf der rechten Seite angeklickt, finden sich als Unterpunkte die Länderprofile der GMS-Anrainerstaaten. Alle Länder-Links führen unter "Strategies and Programs" zu je einem ausführlichen Dokument (im pdf-Format), welches sich dem Entwicklungsstatus des jeweiligen Landes, der Umsetzung laufender ADB-Programme und den künftigen Aufgaben widmet (beispielhaft für Thailand: http://www.adb.org/Documents/CSPs/THA/2001/default.asp?p=ctrytha). Nützlich für einen ersten Überblick zur Entwicklungssituation des jeweiligen Landes sind auch die auf der rechten Seite angezeigten vertiefenden Länderinformationen. Unter "key figures" erhält man zu Thailand beispielsweise auf 12 Seiten statistische Informationen in Zeitreihen für die Jahre 1991 bis 2001.

Unter "About GMS" findet sich des Weiteren eine Einführung in das GMS-Programm, in der auf den Ursprung des Programms und insbesondere die Rolle der ADB näher eingegangen wird (http://www.adb.org/GMS/program.asp).

Ein weiterer Eintrag auf der rechten Bildschirmseite führt zu den bisher in Angriff genommenen Projekten im Rahmen des GMS-Programms (http://www.adb.org/GMS/Projects/default.asp). Dort kann der bisherige Umfang der geleisteten finanziellen und technischen Hilfe nachvollzogen werden. Ablesbar ist u.a., dass die zur Verfügung stehenden Mittel insbesondere großen Infrastrukturprojekten zugute kommen. Über die Jahre lässt sich allerdings ein Wandel beobach­ten: Waren es zuerst Staudamm- und Verkehrswegeprojekte, die im Rahmen des GMS-Programms initiiert wurden, so stehen inzwischen sog. Entwicklungskorri­dore im Fokus. Die geleistete technische Hilfe verteilt sich ansonsten auf ein breites Spektrum an Maßnahmen: Von der Malariabekämpfung über die Tourismusförde­rung bis hin zum Thema Arbeitskräfteentwicklung in der Mekong-Region. Aber selbst letzteres Thema weist wiederum eine breite Palette an konkret geplanten Maßnahmen auf: Von einer länderübergreifenden Bestandsaufnahme zur Verfügung stehender Arbeitskräfte über eine länderübergreifende Netzwerkbildung zwischen ausgewählten Forschungsinstitutionen bis hin zur Eindämmung der Verbreitung von HIV/AIDS.

Eine informative Zusammenfassung der GMS-Aktivitäten findet sich unter dem Karteireiter "publications". Dort hat man Zugang zu dem "ADB-Review"-Schwerpunktheft zum Thema "Greater Mekong Subregion Summit 2002" (http://www.adb.org/Documents/Periodicals/ADB_Review/2002/vol34_6/vol34_6.pdf ).

Wie der Titel besagt, beschäftigt sich die Publikation mit dem GMS-Gipfel vom 3. November 2002 in Phnom Penh. Das Heft stellt noch einmal die Entwicklungskorridore und die damit verbundenen großen Infrastrukturvorhaben vor (Nord-Süd und Ost-West), geht auf das Thema Umweltschutz ein (Stichwort: "Strategic Environ­mental Framework") und präsentiert schließlich auch geschlechterspezifische Studien, die die besondere Bedeutung der Teilhabe von Frauen am Entwicklungspla­nungsprozess thematisieren. Der Artikel "Power to the People" rückt den Rahmen allerdings noch einmal zurecht: Nicht etwa die Übertragung der Planungsgewalt an die Projektbetroffenen wird hier angesprochen, sondern es geht schlicht um das "alte" Mekong-Thema, die Stromproduktion durch Wasserkraft. Allerdings hat man sich hier gründlich von der bekannten Rhetorik konfliktfreier Großprojekte verabschiedet. Benannt werden vielmehr Vor- und Nachteile der Projekte, wobei die Vor- die Nachteile überwiegen sollten. Hervorgehoben wird auch die Sicherung der Rechte Projektbetroffener: Sollten Projekte fehlschlagen, muss die volle Kompensation der Leidtragenden sichergestellt sein. Interessant wären hier sicher noch Erfahrungen aus der Praxis gewesen. Dies umso mehr, als die ADB neue Wege der Partnerschaft mit der Zivilgesellschaft anstrebt und die Interaktion zwischen der Bank, den Mitglieds-Regierungen und den Nichtregierungs-Organisationen verbessern möchte. Dies erklärt die Bank jedenfalls zu ihrem Ziel in dem Dokument "ADB-Government-NGO Cooperation: A Framework for Action" (2003-2005), das im pdf-Format zum Herunterladen bereit steht (http://adb.org/NGOs/Framework/frame­work.pdf).

Seit 1995 ist die Mekong River Commission (http://www.mrcmekong.org/) für die nachhaltige Entwicklung am Mekong zuständig. Sie ist aus dem bereits 1957 gegründeten Mekong Sekretariat hervorgegangen. Mit der Neugründung und der Ver­lagerung des Standortes von Bangkok nach Phnom Penh sollte vermutlich auch die Abkehr von früheren Vorhaben in der Region dokumentiert werden. Zentrales Projekt des Mekong Sekretariats war nämlich nichts Geringeres als die Umwandlung des Mekongs in ein System aus mehreren Staustufen, mit einer installierten Leistung von insgesamt ca. 20.000 MW.

Schaut man sich den Internet-Auftritt des Sekretariatsnachfolgers an, so ist von derartiger Hybris kaum noch etwas zu spüren. Selbst in der (hübschen, aber sehr umständlich zu handhabenden) Dokumentation der Geschichte des Sekretariats wird nicht genauer auf die alten Planungen eingegangen (http://www.mrcmekong.org/about_mekong/history.htm). Insgesamt scheint man sich den diversen Kritikern gebeugt zu haben, für die hier stellvertretend aus einer 1988 am Asian Institute of Technology in Bangkok veröffentlichten Master-Arbeit zitiert sei:

The activities of the Mekong Committee have been focused on technical problems of reservoir construction and optimizing economic effectiveness. However, sociological impacts have been neglected, especially on cultural development and life quality in rural areas such as housing, water supply, sani­tary facilities, public education. […] The fact that undue and unrealistic em­phasis was given to power generation within the Mekong Basin, for which is no market demand, has hindered the great development potentials for meeting the basic needs of the population. It is a case of misplaced objectives (Cui Jiuxu).

Heute propagiert die MRC Folgendes:

The Basin Development Plan of 2002 is a basin-wide planning process rather than a specific list of projects. Planning today means participatory planning and plans are informed by a much expanded range of stakeholders than was once the norm (http://www.mrcmekong.org/about_mekong/history_10a.htm).

Da viele Projekte jedoch in der Verantwortung einzelner Länderregierungen liegen, müssen Anspruch und Wirklichkeit nicht unbedingt deckungsgleich sein. Unbestritten ist, dass man sich seitens der MRC intensiv Gedanken zu den Möglichkeiten der Partizipation aller Projektbeteiligten gemacht hat (vgl. http://www.mrcmekong.org/pdf/Public%20Participation%20the%20context%20of%20the%20Mrc.pdf). Am Ende dieser Überlegungen stehen allerdings nur Richtlinien, keine Verpflichtungen.

Institutionell kam es mit der Neugründung zu einer vollständigen Neuausrichtung: War das Sekretariat an die Economic and Social Commission of Asia and the Pacific und das United Nations Development Programme angebunden, so ist mit dem Neuauftritt 1995 die Verantwortung an eine Ministerrunde, deren Zusammensetzung durch die Mitgliedsstaaten vorgegeben ist, übergegangen.

Erfolge sind, dies wird auf der Site auch eingestanden, nur mühsam zu erringen. Der für die Arbeit der MRC zentrale Mekong-Entwicklungsplan wird – finanziert durch Entwicklungshilfegelder diverser Industrieländer – erst frühestens 2004 in einer vorläufigen Version fertiggestellt sein (http://www.mrcmekong.org/programmes/bdp/bdp.htm). Zahlreiche kleinere Projekte laufen bereits, wie man den aus­führlichen Jahresplanungsberichten entnehmen kann (http://www.mrcmekong.org/programmes/programme.htm). Auch die im Oktober 2001 verabschiedete, 130 Seiten starke "Hydropower Development Strategy" der MRC ist über das Internet abrufbar und ermöglicht so den Vergleich heutiger mit früheren Planungen (http://www.mrcmekong.org/pdf/MRCHydropowerDevelop­mentStrategy.pdf ).

Grundsätzlich hat die MRC noch mit einem zentralen Problem zu kämpfen: China, das zwar Mitglied im GMS-Programm ist, gehört bis heute nicht der Kommission an. Alles Streben der Mekong River Commission nach einer nachhaltigen Entwicklung entlang des Mekong-Flusses ist daher vor dem Hintergrund dieser Restriktion zu sehen.

Auf die mediale Darstellung der Kritiker einer sozio-ökonomischen Entwicklung, wie sie vor allem die Asian Development Bank verficht, gehen wir im zweiten Teil unseres Artikels ein.



[1]     Diese tieferen Gebiete des Mekong sichern Fischen das Überleben während der Trockenperiode, wenn der Fluss sehr viel weniger Wasser führt und die Flussauen austrocknen.