Asian Resources on the WWW, I



"Das Internet ist ein Schrotthaufen - mit Perlen drin"
Über den Nutzen des Internets für Südostasien-Studien

Jörg Wischermann und Ingvar Sander

Unlängst wurde der amerikanische Computerwissenschaftler Prof. Weizenbaum gefragt, ob wir durch das Netz klüger würden. Seine Antwort ist wegweisend:

Für den, der weiß was er sucht, ist das Internet eine wunderbare Quelle. Für den, der einfach nur rumsurft, gilt das natürlich nicht. Der Zugang zu viel Wissen bedeutet eben nicht, daß man das Wissen nutzen kann. Das Internet ist ein Schrotthaufen, in dem Gold und Perlen versteckt sind
(zit.n. Der Tagesspiegel v. 28.2.1999).

In einer lockeren Folge von Beiträgen für die Zeitschrift Asien wollen wir einführende und beispielhafte Antworten auf die Frage vorstellen, für welche Ziele und Zwecke aus dem Bereich Südostasien-Studien das Internet welche nützlichen Informationen zu welchen Kosten anbietet. Dem Kostenaspekt muß inzwischen eine gewisse Bedeutung zugemessen werden, da wichtige Informationsquellen kostenpflichtig geworden sind. Hervorgehoben werden von uns kostenlos zugängliche Ressourcen.

Die Zuspitzung auf spezifischeInformationsbedürfnisse und -zwecke von Zielgruppen (im Falle der Zeitschrift Asien also Wissenschaftler, Studierende, Journalisten, andere an der Region Interessierte) sowie deren Bewertung ist von großer Bedeutung. Denn inzwischen sind die Experten wie auch andere Mediennutzer durch Daten(-schrott) und noise überlastet. Was sie brauchen sind "Informationen", worunter zu verstehen sind "data that has been sufficently refined such that it is immediately useful to the individual receiving it" (G. Spafford, Info-Quality-L 1996, 3.4.1996). In dieser ersten Folge stellen wir Informationsangebote zu den beiden folgenden Themen vor:

(a) länder- und politikfeldübergreifende Ressourcen, die kontinuierlich unerläßliche aktuelle Grundinformationen über die Region bereitstellen und

(b) aktuelle, tagespolitisch relevante Informationen zur Region wie zu einzelnen Ländern.



(a) Länder- und politikfeldübergreifende Ressourcen, die unerläßliche Grundinformationen vermitteln

Hier sind zuerst zwei vergleichsweise teure Informationsquellen zu nennen: An erster Stelle steht der von der BBC herausgegegebene Summary of World Broadcast. Für Interessenten an Südostasien bietet sich der elektronische Bezug von "Part Three: Asia Pacific" ("Daily and Weekly Reports") an, der jährlich 750 Pfund Sterling kostet. Der "Daily Political Report" kostet im Jahr 550 Pfund Sterling, der "Weekly Economic Report" 350 Pfund Sterling. Nach Zahlung des enstprechenden Betrages wird man Mitglied in einer geschlossenen Benutzergruppe, erhält ein Password und kann sich dann in den Dienst einwählen und die entsprechenden Beiträge herunterladen. Ein maßgeschneiderter Service ("International Reports"), der täglich Informationen zu bestimmten Themen oder Ländern per Email liefert, wird individuell berechnet (Kontakt: Annette Young@mon.bbc.co.uk). Der z.B. die drei Länder (Vietnam, Laos und Kambodscha) betreffende "International Report" kostet monatlich 80 Pfund Sterling. Das amerikanische Pendant dazu ist der nur noch durch das Internet zu beziehende Foreign Broadcast Information Service (FBIS) dessen Abonnement mit monatlich 65 US$ zu Buche schlägt. Für 25 US$ kann man eine Woche lang das Angebot durchsuchen. Angeboten wird die englische Übersetzung von Informationen (Zeitungsartikel, Konferenzberichte, Fernseh- und Radiosendungen, Periodika und andere Reports) aus einer Unzahl nicht-amerikanischer Nachrichtenquellen.
Die Nachrichten werden übersetzt und zusammengestellt von FBIS, einer amerikanischen Regierungsstelle.

Eine preiswerte, weil kostenlose Alternative ist der Monitordienst der Deutschen Welle, der (allerdings in weit geringerem Umfang als die oben genannten Dienste) deutschsprachige Übersetzungen von Meldungen asiatischer Radio- und Fernsehstationen sowie von Nachrichtenagenturen anbietet. Dieser Service kann auch abonniert werden: Täglich gehen einem dann per Email Nachrichten aus und über die politischen Ereignisse in Asien zu und/oder man erhält wöchentlich Nachrichten über die wirtschaftliche Entwicklung.

Kostenpflichtig und bislang weitgehend in der traditionellen "print version" zu beziehen sind nach wie vor die (allermeisten) Südostasien betreffenden wissenschaftlichen Vierteljahresschriften. Im "Netz" kann man sich aber kostenlos über den Inhalt der neuesten Ausgabe und das Angebot von zurückliegenden Ausgaben informieren. Das Bulletin of the School of Oriental and African Studies bietet kostenlos "abstracts" zu den einzelnen Artikeln und darüber hinaus einen interessanten zusätzlichen Dienst an: Um eine Kopie des Inhaltsverzeichnisses der neuesten Ausgabe zugeschickt zu erhalten, muß man nur auf der "site" des "Bulletins" seine Email Adresse eintippen, "subscribe" anklicken und erhält dann die jeweils neuesten "table of contents" des Bulletins zugeschickt. Bei anderen Publikationen ist der Bezug einzelner Artikel aus verschiedenen Vierteljahresschriften per Email möglich. Dabei entstehen allerdings Kosten. Ein Beispiel: Vom Institute of Southeast Asian Studies in Singapore werden herausgegeben Contemporary Southeast Asia, ASEAN Economic Bulletin, Sojourn: Journal of Social Issues in Southeast Asia sowie das Jahrbuch Southeast Asian Affairs. Das Ordern einzelner Artikel aus diesen Periodika über den "Electronic Document Delivery Service" ist unterschiedlich teuer. Der einzelne Artikel aus Contemporary Southeast Asia kostet 7S$, ein einzelner Artikel aus Southeast Asian Affairs kostet 10 S$. Zwei Vorteile dieses Dienstes sind nicht zu übersehen: Man bezahlt nur für den Artikel, den man auch wirklich braucht, und die Artikel sind unmittelbar nach Erscheinen der neuesten Ausgabe in Singapore verfügbar, man spart also Zeit und Transportkosten.

Eine Alternative dazu ist der Dokumentendienst der deutschen Bibliotheken "Subito". Über "Subito" können die gewünschten Artikel aus einem Bestand von knapp einer Million Zeitschriftentitel (recherchierbar über die Zeitschriftendatenbank, ZDB) ausgewählt werden. Die Lieferung der nachgefragten Artikel erfolgt auf Wunsch per Email. Die Kosten belaufen sich für die ersten 20 Seiten eines jeden Artikels für alle nicht kommerziellen Nutzer auf 5 DM.

Ständig auf Neuzugänge im Netz aufmerksam macht der Asian Studies WWW Monitor . Der Monitor sucht, nimmt auf und bewertet "networked resources related to Asian Studies research, teaching and publishing". Seine täglich kostenlos versendeten "reports" werden derzeit von 7.000 bis 10.000 Wissenschaftlern und Journalisten gelesen. Seit neuestem bietet der "Monitor" auch die Möglichkeit, seine Datenbank mit den seit 1994 jährlich um 350-600 Einträge wachsenden Fundstellen zu durchsuchen (http://coombs.anu.edu.au/asia-www-monitor.html#database).



(b) Aktuelle, tagespolitisch relevante Informationen zur Region wie zu einzelnen Ländern

Eine kostengünstige und bequeme Ergänzung, in mancher Hinsicht sogar eine Alternative zu den umfassenden Informationsangeboten der BBC oder des FBIS, stellen einzelne "mailing lists" dar. Beileibe nicht alle, aber doch eine nennenswerte Anzahl bietet täglich kostenlos Nachrichten, Pressemitteilungen, Hintergrundberichte, Analysen, Hinweise auf Neuerscheinungen u.v.a.m. Das Abonnieren/Abbestellen einer solchen Liste geschieht über ein spezielles Programm (zumeist "list serv"). Eine Gesamtübersicht über Südostasien betreffende Listen mit einer ersten Kurzbewertung findet sich unter http://coombs.anu.edu.au/WWWVLPages/AsianPages/AsianE-Lists.html. Das Verzeichnis befindet sich im Aufbau.

Uneingeschränkt zu empfehlen ist die von E. Parker moderierte, ganz Südostasien mit Informationen abdeckende Liste "Southeast Asia Discussion List" (SEASIA-L). Nach dem letzten monatlichen "Rundschreiben" des "list owner" hat diese Liste derzeit 1796 Abonnenten, die täglich durchschnittlich 8-10 "messages" erhalten. Dabei handelt es sich sowohl um tagesaktuelle politische Meldungen als auch um Analysen, Hintergrundberichte, Dokumente, Kommentare oder Hinweise auf Konferenzen oder Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt. Die Alternative zum Abonnieren der Liste ist der Besuch ihres Archivs (http://list.msu.edu/ archives/seasia-l.html). Derzeit reicht das Archiv bis in den Juni 1998 zurück. Weitere empfehlenswerte "mailing lists", die über Informationsangebot ähnlicher Art wie die "SEASIA-L" verfügen, moderiert sind, aber eine länderspezifische Ausrichtung haben, sind beispielsweise aus dem Bereich der Vietnam-Berichterstattung die folgenden Listen: "Australia Vietnam Science, Technology and Enviroment" ("AVSL-L" ), "Vietnam News" ("VN-NEWS"), "Devel-VN" und "Vietnamese Economics Network" ("VECON"). Eine ausschließlich Kambodscha betreffende gute Nachrichten-Liste ist die beim "Cambodian Information Center" erscheinende "CAM-LIST". Abonnenten der genannten Listen erhalten täglich durchschnittlich (je Liste) 5-15 Meldungen. Das "Cambodia Information Project of the NGO Forum on Cambodia" gibt wöchentlich einen "Cambodia News Digest" heraus, verantwortlich zeichnet Bill Herod. Informationen über Konferenzen, Publikationen und Forschungsarbeiten zum Thema "Länder am Mekong und regionale Kooperation" bietet die "mailing list" "Mekong". Auch diese Liste wendet sich an Spezialisten, sie ist moderiert und hat deshalb keinen noise.

Für die tagespolitische Information sehr gut geeignet, ebenfalls kostenlos, aber zeitaufwendiger, ist der tägliche oder wöchentliche Besuch der südostasiatischen Tages- und Wochenzeitungen. Die Veröffentlichungen dieser Zeitungen im Netz haben in den letzten zwei Jahren einen rasanten Aufschwung erfahren. Mittlerweile sind fast alle einschlägigen Zeitungen und Zeitschriften (mehr oder minder vollständig) im Netz vertreten. Eine Übersicht über das Angebot mit Angaben zu der verwendeten Sprache findet sich unter http://www.dds.nl/~kidon/media-link/aspapers.shtml.

Im Konzert der großen Blätter fehlen inzwischen auch nicht mehr die in Jakarta erscheinende Jakarta Post -- die Nutzung des Archivs wird kostenpflichtig sein -- , die in der laotischen Hauptstadt Vientiane erscheinende Vientiane Times , die Phnom Penh Post -- kostenlos zugänglich ist aber nur eine Auswahl von Artikeln, der Zugang zur vollständigen "online edition" kostet im Jahr 50 US$) oder das Zentralorgan der vietnamesischen KP Nhan Dan ). Die Nhan Dan hat ein bis zum Juni 1998 zurückreichendes Archiv ihrer Ausgaben (in dem allerdings einzelne Ausgaben fehlen). Die meisten anderen südostasiatischen Tageszeitungen bieten die Benutzung eines 7 Tage zurück reichenden Archivs an, das nach Schlagwörtern durchsucht werden kann. Empfehlenswert wegen der Informationsfülle, der Präsentation und der Erreichbarkeit sind beispielsweise die Regionalberichterstattung und das Archiv der in Singapore erscheinenden Straits Times (beziehungsweisehttp://www.asia1.com.sg/straitstimes), der Bangkok Post , und der ebenfalls in Bangkok erscheinenden The Nation .

Tagespolitisch aktuelle Informationen, die sich auf einzelne Länder oder die Region insgesamt beziehen, bieten auch große amerikanische Wochenzeitungen an: Kostenlos und mit einem guten Archiv ausgestattet ist zum Beispiel die Washington Post. Empfehlenswert auch das Angebot der BBC, die ein nach Schlagwörtern zu durchsuchendes Archiv mit einem weit zurückreichenden Nachrichtenüberblick zu Ereignissen in "Far East" anbietet .Die BBC bietet dabei auch Ton- und Bilddokumente aus ihrem Welt-Programm an. Hintergrundberichte und Analysen zur politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung bieten auch die großen asiatischen Wochenschriften (so die Far Eastern Economic Review oder die nahezu komplette Ausgabe der Asiaweek .

Speziell an der Wirtschaftsberichterstattung Interessierte stoßen im Internet auf den augenscheinlich am stärksten kommerzialisierten Sektor. Gute Angebote sind (relativ) teuer und richten sich in der Regel eher an die "business community". Dennoch könnte es für den einen oder anderen lohnend sein, im Jahr 59 US$ auszugeben und dafür den Zugang zum Wall Street Journal und seinem Pendant, dem Asian Wall Street Journal, zu erhalten . Für den genannten Betrag bietet die Dow Jones Company nicht nur die tagesaktuellen Nachrichten aus beiden Zeitungen, sondern auch den Zugang zu ihrem Archiv. Abonnenten können darüber hinaus auch die "Dow Jones Publications Library" durchsuchen, die Artikel aus mehr als 5.500 Zeitungen, Zeitschriften und anderen "business-news sources" enthält. Das Interactive Journal hat inzwischen 250.000 Abonnenten und ist damit die "site" mit den meisten zahlenden Kunden. Gutes muß aber nicht teuer sein. Ein regelrechtes "Schnäppchen" für alle an der wirtschaftlichen Entwicklung Vietnams Interessierte stellt der ADUKI-Newsletter dar. Die "Consultancy" des Ökonomen A. Fforde, die einen jährlichen Analyse- und Datenband zur Wirtschaftsentwicklung Vietnams zum Preis von 500 US$ herausbringt (Vietnam: Economic Commentary and Analysis ) publiziert seit August 1998 einen kostenlosen Newsletter, der monatlich die wirtschaftlichen Entwicklungstrends Vietnams und die "policy debates" analysiert (http://www.aduki.com.au/newsl.htm). Auf Anforderung wird dieser Newsletter per Email zugesandt.

In der nächsten Folge unserer Artikelserie werden wir u.a. "sites" vorstellen, die sich aktuellen und politisch brisanten Themen (asiatische Wirtschaftskrise; der Fall A. Ibrahim) widmen.